Waldemar

Dieser figürliche Ofenaufsatz ist als vollplastischer, hohler Kopf bisher einzigartig. Er wurde 1992 bei  den Ausgrabungen zwischen Schrangen und Fleischhauerstraße gefunden.  Die Scherben, aus denen der Kopf zusammengesetzt werden konnte, stammen aus einer Kloake. Die Interpretation als Ofenaufsatz ist der Schwärzung im Inneren, die von Rußpartikeln herrührt, geschuldet. Lehmreste am Fuß deuten darauf hin, dass der Kopf als Aufsatz den Abschluss eines Ofens bildete.

Es ist ein eindrucksvolles Gesicht, das uns hier anschaut, mit kräftiger Nase, stattlichen Augenbrauen und großen Ohren. Auf dem Kopf sitzt eine Krone, die auf einen Herrscher deutet. Ebenso für einen König sprechen die Pendilien auf der Rückseite, das sind Schmuckketten oder Bänder, die an Diademen, Kronen, Ohrringen oder Fibeln befestigt sind, hier sind sie in Ton gestaltet. Genau zu datieren ist das Stück leider nicht, Glasur und Machart weisen aber in die Mitte des 13. Jahrhunderts.  Somit handelt es sich vielleicht um den dänischen König Waldemar II., der von 1203 bis 1225 Stadtherr von Lübeck war, und unter dessen Herrschaft  die Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte und damit den Grundstock für ihre Bedeutung als Königin der Hanse legte. Oder die Lübecker gedachten mit diesem Kopf Friedrich II., der ihnen 1226 die Reichsfreiheitsurkunde ausstellte.

Waldemar

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