WOCHENENDFAHRT 2006 AN DIE WESTKÜSTE SCHLESWIG-HOLSTEINS
von Alfred Falk
Die Exkursion führte nach Dithmarschen und Nordfriesland mit den Schwerpunkten Meldorf, Husum und Nordstrand. Organisiert und geleitet wurde sie vom Vorsitzenden, Peter Hartmann. Im Privat-PKW ging es nach Meldorf, wo die Teilnehmer von einer Mitarbeiterin des Dithmarscher Landesmuseums erwartet wurden. Sie führte uns zunächst in den Meldorfer Dom, der zentralen Kirche der Dithmarscher, die nach einem vermuteten Vorgängerbau aus Holz im 13. Jahrhundert als Backsteinkirche errichtet wurde. An- und Umbauten sowie Ergänzungen und Sicherungsmaßnahmen des 15. bis 20. Jahrhunderts (z.B. der Westturm und die Außenverblendung mit Maschinenziegeln) haben das Gesicht des Baus in Teilen stark verändert. Durch die Führung wurden aber Strukturen und Details der mittelalterlichen Kirche erkennbar. Besonders eindrucksvoll waren die in den Gewölben des nördlichen und südlichen Querhauses zum Teil großflächig erhaltenen Gemäldereste der Zeit um 1300. Bemerkenswert auch der Rest des Chorgestühls aus dem 15. Jahrhundert und die imposante hölzerne Chorschranke von 1603. Es folgte ein Rundgang durch Teile des Ortskerns mit Häusern des 16. bis 18. Jahrhunderts. Dem schloss sich im Museum die Führung durch die Abteilungen zur Dithmarscher Landes- und Landschaftsgeschichte mit den Themenschwerpunkten der schweren Flutkatastrophen von 1362 und 1634 an. Den Abschluss bildete der rekonstruierte Pesel von 1558, in dem Markus Swyn, der erste Landvogt Norderdithmarschens, Gericht hielt. In einem weiteren Teil des Hauses waren Geschäfte und andere Einrichtungen mit dem gesamten Inventar aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu besichtigen. Unter anderem ein Kaufmannsladen, Optiker, Arztpraxis, Friseursalon, Kino und ein Klassenraum mit zeitgenössischer Darstellung einer bronzezeitlichen „Germanischen Sonnenwendfeier“. Bei herrlichem Wetter, das uns das ganze Wochenende nicht verließ, konnte die Mittagspause in den Gaststätten am Rande des Marktplatzes im Freien stattfinden.

Ein besonderer historischer Punkt wurde auf der Fahrt nach Heide angesteuert: Das Gebiet der Schlacht bei Hemmingstedt, in der die Dithmarscher am 17.2.1500 das übermächtige Heer Johanns, König von Dänemark, Norwegen und Schweden und Herzog von Schleswig und Holstein, vernichtend schlugen, und so ihre Unabhängigkeit bewahrten. Auf einem Hügel mit schrecklich-monströsem Steindenkmal von 1900 erläuterte Herr Hartmann Hintergründe, Hergang und Ausgang der Schlacht. In dem in der Nähe liegenden Pavillon wird in einem großen Panoramamodell das Geschehen dargestellt. Am Nachmittag erreichten wir unser Hotel am Stadtrand von Heide. Hier bot sich Gelegenheit zum Ausspannen im Liegestuhl oder im Schwimmbad. Das gemeinsame Abendessen mit anschließendem Umtrunk konnte wieder im Freien stattfinden.

Am nächsten Vormittag erreichten wir Husum, wo uns das Ehepaar Cohrs in ihrem direkt am Hafen gelegenen Schiffahrtsmuseum Nordfriesland erwartete. Herr Cohrs erläuterte uns lebendig und engagiert die verschiedenen Abteilungen seines Hauses, nicht ohne bei besonderen Stücken deren Bedeutung und die Geschichte ihres Erwerbs einfließen zu lassen. Das wurde besonders augenfällig beim Wrack aus dem Koog bei Uelvesbüll, das, mit Unterstützung verschiedener Geldgeber, darunter auch die EU, in einem eigens geschaffenen klimatisierten Anbau gut konserviert und besuchergerecht ausgestellt werden kann. Den Besuch des Museums hatte uns unser Mitglied, Herr Dr. Bahr, schon seit Jahren vorgeschlagen; jetzt haben wir ihn also in die Tat umsetzen können und empfehlen nachdrücklich die Besichtigung dieses interessanten privat geführten Hauses. Da das Nordfriesische Museum/Nissen-Haus wegen Umbaus noch geschlossen war, bestand Gelegenheit zu individuellen Stadtrundgängen und Mittagsimbiss. Dem schloss sich die Besichtigung der bauhistorisch interessanten klassizistischen Marktkirche an, die 1829-33 an der Stelle der mittelalterlichen Marienkirche nach Entwurf des dänischen Architekten Christian Frederik Hansen errichtet wurde. Hansens Bauten finden sich noch heute im Lande, so der Pavillon im Schlossgarten von Eutin und die Villa Eschenburg in Lübeck.

Nördlich Husum liegt das Dorf Schobüll mit einer kleinen, wuchtigen Backsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert. Die mittelalterliche Ausstattung ist zum Teil erhalten, so der Schnitzaltar vom Ende des 15. Jahrhunderts. Der Turm wurde 1785 verkürzt. Die Maueranker auf seiner Westseite sind mit übergroßen Eisen in Form der Jahreszahl gesichert. Nach Besichtigung der Kirche wurde Nordstrand angesteuert. Die Insel ist Rest einer größeren Landmasse, die durch die Sturmfluten des 14. und 17. Jahrhunderts zerstört wurde. Durch Eindeichungen hat Nordstrand inzwischen den Inselcharakter verloren. Im Dorf Süden steht die katholische Kirche „Sancta Maria Margaretha von den Engeln und Sancta Theresia von Avila“, auch als Dom bezeichnet, wie die eisernen Buchstaben DOM, die über dem Westportal die Maueranker sichern, zeigen. Die Kirche wurde 1662 für niederländische Deichbauer errichtet. Die Ausstattung stammt aus dem 17. bis 20. Jahrhundert.

Vor dem Westportal schließt sich der kleine Friedhof an, der auf die Zeit des Kirchenbaus zurückgeht.
Interessant ist, dass der Dom heute den Mitgliedern der 1870 von der katholischen Kirche abgespaltenen altkatholischen Glaubensrichtung als Gotteshaus dient. Archäologisch/bauhistorisch bemerkenswert ist, dass der Bau mit kleinen, flachen, zum Teil gelben Ziegeln gebaut ist, ein Baumaterial, das in Lübeck gelegentlich bei Untersuchungen auftritt und als „niederländisch, 17. Jahrhundert“ angesprochen wird.
Anschließend fuhren wir an das Nordwestufer der Insel. Bei Flachwasser und ruhiger See lagen die Halligen und Pellworm in ganzer Schönheit vor uns. Herr Hartmann erläuterte die Landschaftsentwicklung der vergangenen Jahrhunderte. Hier wurden die vorher in den Museen auf Karten und in Modellen gezeigten Veränderungen der Küste bis zum heutigen Zustand und die Anstrengungen, die zum Erhalt der Küstenlinie notwendig sind, noch einmal besonders deutlich. Mit der Möglichkeit, in den nahen Restaurants einen kräftigen Fischimbiss einzunehmen, endete die Wochenendexkursion, deren Erfolg dem engagierten Einsatz unseres Vorsitzenden zu danken ist – vom Wetter ganz zu schweigen.
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