WOCHENENDEXKURSION INS NEANDERTHAL-MUSEUM 2001

Von Brigitte Dahmen

Unsere alljährliche zweitägige Exkursion führte uns diesmal schwerpunktmäßig ins Neandertal bei Düsseldorf, wo wir uns das neuerbaute Neanderthal-Museum ansehen wollten. Obwohl erst wenige Jahre in Betrieb, erlangte das neue Museum innerhalb einer kurzen Zeit schon beachtliche Besucherströme. Ausstellung und Gestaltung des Gebäudes schien auch uns so interessant, daß wir sie unseren Mitgliedern nicht vorenthalten wollten. Neben dem Neanderthal-Museum – Neanderthal wird im Zusammenhang mit dem Museum übrigens immer mit th geschrieben – standen noch die Besichtigung eines römischen Militärlagers in Dorsten-Holsterhausen und eine Führung durch die Tecklenburger Altstadt auf dem Programm.

WOCHENENDEXKURSION INS NEANDERTHAL-MUSEUM

Aufgrund der Länge der Fahrstrecke charterten wir das erste Mal einen Bus, um entspannt und ausgeruht am Ziel anzukommen. Da wir nicht abschätzen konnten, wie viele Mitglieder dieses Angebot annehmen würden, hatten wir eine Mindestteilnehmerzahl als Voraussetzung für die Fahrt festgelegt. Unsere Hoffnung wurde erfüllt, so daß wir am Samstagmorgen (Anm.: 16. Juni) losfahren konnten und gegen 12:00 Uhr wohlbehalten im Neandertal ankamen (Abb. 1).

Nach der Mitagspause versammelten wir uns im Vortragsraum des Museums. Dank der Bemühungen von Herrn Schröder-Berkentien konnten wir Professor Zamp-Klep, den Architekten des neuen Museums, gewinnen, uns das Gebäude und seine Architektur vorzustellen. Sein Entwurf kam zur Ausführung für den Museumsneubau. Professor Zamp-Klep erläuterte uns die architektonische Gestaltung des Gebäudes, welches die Konzeption der musealen Darstellung aufgreift: Thema der Ausstellung ist die Entwicklung der Menschheit, die als weitgezogene Spirale aufgefaßt werden kann. Diese Spirale wird in der Fassadengestaltung außen und in den Stockwerken innen aufgegriffen. Das ursprüngliche Konzept sah keine Treppe vor. Als Architekt könne er aber damit und mit anderen nötigen Veränderungen „gut leben“ betonte Herr Zamp-Klep. Er machte uns auch auf gestalterische Besonderheiten aufmerksam, die von Seiten der Ausstellungsmacher, der Bauherren oder aufgrund der Materialwahl an ihn herangetragen wurden. Der kleine Vortrag von Herrn Zamp-Klep stimmte uns aus einem ganz anderen Blickwinkel auf die Ausstellung ein, die wir anschließend besuchten.

Wie schon oben erwähnt, wird in dem Museum eine Ausstellung zur Entwicklung der Menschheit gezeigt. Ausgehend vom namengebenden Fundort, wo 1857 die ältesten Knochenfunde eines Homo Sapiens entdeckt wurden, schlägt die Ausstellung einen Bogen bis zum heutigen Entwicklungsstand. Mit Hilfe von Kopfhörern erhalten die szenischen Ausstellungseinheiten akustische Untermalungen. Monitore in den Abteilungen ermöglichten darüber hinaus durch Videoanimationen einen weiteren thematischen Überblick. Von einigen Exkursionsteilnehmern wurde dieser „technische“ Bereich der Ausstellung als dominant empfunden. Möglicherweise ist es aber gerade diese „moderne“ Darstellung, die den Erfolg des Museums ausmacht. Aufgrund der letztendlich nur 16 Einzelknochen, die hier gefunden wurden, läßt sich schwerlich eine archäologische Ausstellung „auf die Beine“ stellen. Insgesamt wurden aber Gebäude und Ausstellung mit viel Interesse aufgenommen, und einige von uns rundeten den Besuch mit einem kleinen Spaziergang im Neandertal ab. Um 18:00 Uhr sammelten wir uns zur Weiterfahrt nach Dorsten, wo wir bei einem gemütlichen Beisammensein in unserer Herberge den Tag ausklingen ließen.

Am Sonntagmorgen stand der Besuch einer Ausgrabung in Dorsten-Holsterhausen auf dem Programm. Es handelte sich um die derzeit größte Ausgrabung in Nordrhein-Westfalen. Auf dem schon länger bekannten Gelände eines römischen Militärlagers und eines germanischen Siedlungsplatzes soll eine Neubausiedlung entstehen, so daß hier archäologische Untersuchungen nötig wurden. Mit Dr. Ebel-Zepezauer konnten wir den leitenden Archäologen gewinnen, der uns die neuesten Ergebnisse der Grabung vorstellte und uns über die Siedlungsabfolge des Platzes informierte (Abb. 2). Seine Ausführungen machten uns deutlich, welchen hohen wissenschaftlichen Stellenwert diese Grabung innerhalb der Provinzialrömischen Archäologie einnimmt. Die verständliche und unterhaltsame Weise seiner Darstellung ließ uns die Zeit vergessen, so daß wir ohne Mühe die vorgesehene Stunde Aufenthalt auf das Doppelte ausdehnten.

Die Weiterfahrt nach Tecklenburg stand somit erst gegen 12:30 Uhr an, und nach einem guten Mittagessen versammelten wir uns zur Stadtführung vor dem Informationsbüro. Eine Stunde lang marschierten wir, geführt von einer kundigen Dame, durch das mittelalterliche Städtchen. Viel Wissenswertes erfuhren wir über die Burg und Stadt Tecklenburg, die wie ein Raubvogelnest auf der Spitze eines Berges über dem Osnabrücker Land thront. Die Reste einer kasemattenartigen Anlage aus dem 16./17. Jahrhundert, die jahrhundertelang vergessen unter Burg und Stadt lagen, wurden erst in diesem Jahrhundert wieder entdeckt. Der höhlenartige Eingang zu dieser Anlage bleibt den meisten Touristen verborgen, wir jedoch konnten das alte Gemäuer mit seinen Gängen und Räumen erkunden.

Gesund und munter und beladen mit vielen unterschiedlichen Eindrücken landeten wir von unserer Reise durch die Jahrhunderte gegen 21:00 Uhr wieder in Lübeck.

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