20 Jahre Archäologische Gesellschaft der Hansestadt Lübeck e. V.

Am Sonnabend, dem 23. April 2016, feierte die Archäologische Gesellschaft der Hansestadt Lübeck ihren 20jährigen Geburtstag. Das ist zwar für eine Tochter der Gemeinnützigen noch kein sehr hohes Alter, aber immerhin ist die Gesellschaft schon volljährig!

Zunächst begann die Veranstaltung mit der Jahreshauptversammlung, auf der auch der Vorstand neu gewählt wurde. Der Vorsitzende, Alfred Falk, wurde im Amt bestätigt, sein Stellvertreter, Peter Hartmann, der dieses Amt 10 Jahre inne hatte, und davor seit 2000 Vorsitzender war, trat hingegen nicht mehr an. Ihm folgte der ehemalige Beisitzer Christian Finzel. Als Kassenwart wurde Oliver Luthardt bestätigt, genau wie Doris Mührenberg, die seit Gründung der Gesellschaft das Amt der Schriftführerin inne hat. Neues Mitglied im Vorstand wurde der jetzt als Leiter des Bereichs Archäologie und Denkmalpflege ausscheidende Prof. Dr Manfred Gläser.

Dieser hielt auch auf dem anschließenden Geburtstagsfest die Laudatio zum Thema „Wozu braucht Lübeck eine Archäologische Gesellschaft?“. Zunächst erklärte er die spezifischen Methoden der Archäologen, die immer wieder – im Gegensatz zum Historiker – neue Quellen erschließen und somit den Erkenntnisstand bereichern, sowohl durch die Befunde wie Kloaken, Brunnen, Hausfundamente und Schichten, als auch durch die Funde, die das Leben im mittelalterlichen Lübeck widerspiegeln. Heutzutage erfolgt die Finanzierung der Ausgrabungen zwar zumeist durch das Verursacherprinzip, trotzdem ist die Archäologie eine aufwändige Wissenschaft, die häufig auch hohe Kosten verursacht. Um dieses zu rechtfertigen, muss man dem Bürger die Wichtigkeit der Archäologie und ihrer Ergebnisse vermitteln. Allerdings ist die Archäologie andererseits auch ein Wirtschaftsfaktor, denn die Wissenschaftler, die angestellt werden, geben ihr Geld in der Stadt aus, Drittmittelprojekte werden eingeworben.

Hinsichtlich der Öffentlichkeitsarbeit kommt die Archäologische Gesellschaft ins Spiel. Gläser zählte auf, was die Archäologische Gesellschaft für die Archäologie in der Hansestadt getan hat, so hat sie unter anderem den Bereich beim Weihnachtsmarkt im Heiligen-Geist-Hospital, beim Tag des offenen Denkmals und bei Altstadtfesten unterstützt, sowohl in personeller Hinsicht als auch durch den Verkauf von Repliken. Sie hat wissenschaftliche Publikationen für die Bereichsbibliothek angekauft, Vortragsreihen bei großen Ausstellungen wie „Heiden und Christen – Slawenmission im Mittelalter“ und „Dänen in Lübeck – 1203 * 2003“ finanziert und Wochenendseminare in Travemünde durchgeführt. Und sie war maßgeblich an der Einrichtung des Archäologischen Museums beteiligt, das sich von Juli 2005 bis zum Oktober 2011 im Beichthaus des Kulturforums Burgkloster befand. Mitglieder der Gesellschaft führten – nach einer intensiven Schulung durch die Archäologen - ehrenamtlich durch die Ausstellung. In noch größerem Umfang engagierte sich die Gesellschaft bei der Einrichtung des Cafés Confessio in den barocken Wohnräumen im Beichthaus, finanziell wie auch ideell, bis hin zur Namensfindung. Unvergessen wird bei fast 400 Archäologen aus ganz Deutschland der Empfang auf der Großgrabung bleiben, der anlässlich der Tagung des  Nordwestdeutschen Verbandes für Altertumskunde 2013 in Lübeck von der Archäologischen Gesellschaft finanziert wurde. Die Gesellschaft unterstützt den Bereich Archäologie und Denkmalpflege auch weiterhin bei der Anschaffung von Publikationen, aber auch bei Geräten für die Restaurierungswerkstatt und bei der Konservierung von Fundobjekten.

Die Jahresschriften der Gesellschaft, die unregelmäßig erscheinen, geben ebenfalls einen Einblick in die Lübecker Archäologie – sehr beliebt war der Doppelband 2/3 mit dem Titel „Mit Gugel, Pritschholz und Trippe – Leben im mittelalterlichen Lübeck“.

Das Geburtstagfest wurde mit Essen und Trinken und einem Rückblick begangen, da war vor allem bei den Bildern aus früheren Tagen so manches Aha-Erlebnis zu verspüren. Die Gesellschaft kann trotz ihrer Jugend auf einige Dinge zurückblicken: Außer den Exkursionen ins Gelände und zu Ausstellungen, die immer von Fachleuten präsentiert werden, hat sie einiges für die Archäologie bewirkt, wie oben schon ausgeführt. Umso mehr schmerzten im Rückblick dann die Bilder vom Abschied vom Beichthaus, denn nun gibt es keinen Ort mehr, der die einzigartigen Ergebnisse der Lübecker Archäologie zeigt, keinen Ort mehr, an dem die Lübecker Bürger, die Touristen und die Fachleute die immensen Fundmengen, aber auch einzigartige seltene Funde sehen können, keinen Ort mehr, an dem der farbenprächtige Alltag der mittelalterlichen Lübecker anhand der archäologischen Funde und Befunde illustriert wird – und deshalb gab es vom scheidenden Bereichsleiter einen Auftrag an das Geburtstagskind: Wir machen es jetzt wie Cato im alten Rom mit Karthago: Statt „Ceterum censeo Carthaginem esse delendam“ schließen wir Lübecker Archäologen und Freunde der Lübecker Archäologie zukünftig jede Rede und jeden Vortrag mit dem Satz: „Im übrigen bin ich der Meinung, dass Lübeck ein Archäologisches Museum braucht!“

Doris Mührenberg

Zum Seitenanfang