Archäologie in Lübeck und die Archäologische Gesellschaft

Lübeck – das ist nicht nur die oberirdisch sichtbare und beeindruckende Stein gewordene Geschichte der Hansestadt, es sind auch die im Boden vorhandenen Zeugnisse vergangener Epochen – von der Steinzeit über das Mittelalter bis in die Neuzeit. Großsteingräber in Blankensee und im Forst Waldhusen, Grenz- und Flursteine und Reste der Backsteinbauten im Untergrund der Innenstadt zeugen von den Aktivitäten der früheren Bewohner. Und die bei Ausgrabungen gehobenen Funde ergeben ein buntes und vielfältiges Bild des Alltags im mittelalterlichen Lübeck. 

Neuzeitliches Kellergewölbe auf dem Grundstück Parade 2 - Führung auf der Grabungsstelle

Neuzeitliches Kellergewölbe auf dem Grundstück Parade 2 - Führung auf der Grabungsstelle

Da finden sich die Bernsteinperlen des Paternostermachers genauso wie Kathrin, eine hölzerne Babypuppe aus der Zeit um 1300. Seit 1958 besteht in Lübeck eine eigene Archäologische Institution (seit 1963 Amt für Vor- und Frühgeschichte, heute Bereich Archäologie und Denkmalpflege), deren Mitarbeiter sich mit großem technischem und wissenschaftlichem Engagement den Zeugen der Vergangenheit widmen. Ihre außergewöhnlich erfolgreichen Ausgrabungen führten mit dazu, dass die Lübecker Innenstadt 1987 in die Welterbeliste der UNESCO eingetragen wurde.

Bernsteinperlen und Abfall aus der Werkstatt des Paternostermachers (Rosenkranzproduktion) in der Hundestraße

Bernsteinperlen und Abfall aus der Werkstatt des Paternostermachers (Rosenkranzproduktion) in der Braunstraße

1996 wurde die Archäologische Gesellschaft der Hansestadt Lübeck e.V. gegründet, die es sich zur Aufgabe macht, die aktive Archäologie zu fördern und zu unterstützen (siehe Förderungen), indem sie der Öffentlichkeit die Ergebnisse der Lübecker Archäologie vermittelt und zum Schutz der Bodendenkmale (Megalithgräber, Grabhügel, Grenzsteine etc.) beiträgt. 

Die Umsetzung dieser Aufgabe gelang in besonderem Maße durch die Mitarbeit am Betrieb des 2005 eröffneten und nach nur sechs Jahren wieder geschlossenen Archäologischen Museums im Beichthaus des Burgklosters.

Blick in das Archäologische Museum (2005 bis 2011)

Blick in das Archäologische Museum (2005 bis 2011)

Eigens dafür ausgebildete Mitglieder unserer Gesellschaft führten in der Zeit seines Bestehens Besuchergruppen (insgesamt mehrere Tausend Personen) durch die Ausstellungen.

2011 wurde das Archäologische Museum leider geschlossen und 2015 das Europäische Hansemuseum eröffnet. Dessen Ausstellungsräume können leider nicht die Ergebnisse und Leistungen der Lübecker Archäologie in gleichem Umfang präsentieren.

Die Archäologische Gesellschaft setzt sich daher nachdrücklich für die Errichtung eines neuen Archäologischen Museums in Lübeck ein. Eine Forderung, die angesichts der Ergebnisse und Funde der Ausgrabungen im Gründungsviertel und der nachfolgenden Grabungen der letzten Jahre besonders aktuell und dringlich ist. Selbst das wieder geschlossenen Archäologische Museum konnte nicht annähernd die Menge der für Lübeck und seine Geschichte bedeutsamen Funde ausstellen. 

Eine weitere Aufgabe sieht die Gesellschaft darin, ihren Mitgliedern regelmäßige Veranstaltungen wie Vorträge, Führungen durch Ausstellungen und Besichtigungen von Ausgrabungen in Lübeck zu bieten.

Führung bei den Ausgrabungen im Gründungsviertel

Führung bei den Ausgrabungen im Gründungsviertel

Auf Exkursionen wurden bereits archäologisch und historisch interessante Städte und Stätten in der näheren Umgebung Lübecks aber auch das Neandertal mit seinem Museum und der Ort der Varusschlacht in Niedersachsen besucht (siehe Veranstaltungs-Archiv). Die Gesellschaft gibt unregelmäßig Jahresschriften heraus, die für ihre Mitglieder im Beitrag enthalten sind. Zusätzlich sind Sonderpublikationen mit archäologischer und kulturhistorischer Thematik erschienen, die die Mitglieder kostenlos oder zu einem günstigen Sonderpreis erhalten (siehe Publikationen und Repliken). 

Die Archäologische Gesellschaft ist wie viele andere Institutionen im Kulturbetrieb der Stadt verankert. Sie ist eine Tochter der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit, nimmt an ihren Veranstaltungen teil und realisiert mit ihr ein- oder zweimal jährlich einen der traditionellen Dienstagsvorträge. Sie ist Mitglied im Beirat der Lübecker Museen, einer beratenden Versammlung der Kulturstiftung der Hansestadt Lübeck. Sie ist auch ständige Vertreterin im Arbeitskreis für Archäologie und Denkmalpflege, einem Gremium, das die Kultursenatorin in aktuellen Fragen zur Archäologie und Baudenkmalpflege berät.

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