Leseprobe: Die Sanierung des Beichthauses
von Thomas Schröder-Berkentien
Mit seiner lang währenden baugeschichtlichen Entwicklung gehört das Burgkloster zu den bedeutendsten Gebäudegruppen der Lübecker Altstadt. In ihr findet man noch heute bauliche Zeugnisse aus der frühesten Zeit der Stadtwerdung bis hin zu den Maßnahmen der jüngsten Vergangenheit, die vorerst mit der Sanierung des Beichthauses ihren Abschluss fanden.
Auch beim Beichthaus bewies sich, dass die Verwendung einer gründlich ermittelten baugeschichtlichen Quellenlage und die Durchführung einer fundierten Bestandsuntersuchung die Voraussetzung ist für eine gestalterisch überzeugende und kostenmäßig verlässliche Sanierung. Da eine Vielzahl baugeschichtlicher Ebenen erfasst wird, war es naheliegend und geboten, eben diese Entwicklung fortzuschreiben. Unter der Zielführung, das Beichthaus künftig als Archäologisches Museum zu nutzen, entstand ein modernes Raumprogramm, für das eine qualitätsvolle, wenngleich auch über die Jahrhunderte stark veränderte Raumhülle zur Verfügung stand.
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Das Herz der Anlage wurde dabei in der ehemaligen Beichthalle (früher zweischiffig gewölbt) geschaffen, und dabei mit dem Einbau einer stählernen Galerie als zusätzlicher Ausstellungsebene eine Anlehnung gefunden an das bis ins späte 19. Jahrhundert vorhandene Zwischengeschoss, das Armenwohnungen barg. Erst der Umbau zur Turnhalle der ehemaligen Burgschule sowie der Ernestinenschule verlieh dem Raum den Charakter einer zweigeschossigen Halle, was er zuvor allerdings niemals war.
Das spätestens zu Anfang des 17. Jahrhunderts abgetrennte westliche Viertel des Beichthauses wurde lange Zeit und bis zuletzt als Hausmeisterwohnung genutzt. Da dieser und auch der darüber liegende Grundriss kaum geändert und zudem auch statisch sinnvoll war, fiel es leicht, die gewünschte Nutzung als Café mitsamt dem Zwischenkeller in die Bauaufgabe zu integrieren. Durch den immer noch wahrnehmbaren Wohncharakter dieser Räumlichkeit erscheint das Café Confessio behaglich und authentisch zugleich.
Durch die Selbstverpflichtung des Architekten und auch nach Vorgabe der Denkmalpflege gelang es, den Dachboden mit seinem wertvollen Gebälk in die Nutzung des Archäologischen Museums mit einzubeziehen und dort unter Wahrung bauphysikalisch-denkmalpflegerischer Mindestbedingungen eine zusätzliche Ausstellungsebene zu gewinnen. Besonders auffällig erscheint die in dieser Form erstmals angewendete „Besegelung“ der Innen-Dachfläche, die als eine offene textile Trennung von Innen nach Außen vor die verstrichene Dachziegelfläche gesetzt worden ist. Jedes Sparrenfeld individuell steuerbar, gibt es dem ohnehin ausdruckstarken Dachwerk einen höhenden, weil hellen Hintergrund und steigert somit seinen Ausdruck auf das Stärkste.
Unabhängig von Epoche und Baustil und welche Aufgabe zu erfüllen war und sein wird: Überzeugen wird nur das Gelingen der Synthese aus dem Wiederbeleben verkümmerter Substanz mit dem Schaffen einer neuen Gestalt dort, wo es Altes nicht mehr gibt.
Nur zu gern erführe der Architekt die nächste Zäsur an dem baulichen Zustand dieses faszinierenden Gebäudes, wenn einmal auch für diese, uns heute so stimmig erscheinende Nutzung die Zeit abgelaufen sein wird und eine neue beginnen soll.
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